
Die Vorgeschichte:
16.12.2002:
Als Vorbereitung auf den Krefelder Holocaust-Gedenktag , der am
27.01.2003 in der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule (KTG) veranstaltet wurde,
nehmen die Lehrer Andreas Weinhold und Dr. Thomas Hilger mit ihren
Schülern an einer Veranstaltung in Köln teil, die zum
Gedenken an den 60. Jahrestag des Befehls zur Deportation der Sinti und
Roma nach Auschwitz-Birkenau stattgefunden hat. Die Schüler
konnten auf dem Weg vom Bahnhof zum Veranstaltungsort die Mahnmale des
Kölner Künstlers Gunter Demnig anschauen, die er zum Gedenken
an die Deportation der Sinti und Roma als Gedenkspur an mehreren
Stellen der Stadt in den Boden eingelassen hat.
27.01.2003:
In diesem Jahr wird an der KTG der Holocaust-Gedenktag stellvertretend
für die Stadt Krefeld ausgerichtet. Das Schwerpunktthema ist der
Umgang mit der Opfergruppe der Sinti und Roma. Schüler gestalten
unter anderem ein Mahnmal im Kunstunterricht.
23.10.2003:
Pavel Stránský, ein Überlebender der
Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz und Schwarzheide, nimmt
in Prag die Einladung von Dr. Thomas Hilger an, Vorträge über
seine Erfahrungen vor Schülern im Rheinland zu halten.
27.11.2003:
Gunter Demnig nimmt nach einem Vortrag in Köln die Einladung von
Dr. Thomas Hilger an, einen Vortrag an der KTG zu halten.
23.01.2004:
Gunter Demnig
Gunter Demnig spricht in einem Vortrag an der KTG über die
Stolpersteine und über seine anderen Kunstprojekte. Anwesend sind
neben den Schülern und Lehrern der Oberstufe der KTG ebenfalls
Schüler und Lehrer der Gerd-Jansen-Schule für
Körperbehinderte in Krefeld und Frau Dr. Schupetta als Leiterin
der NS-Dokumentationsstelle in Krefeld.
24.01.2004:
Über Presseberichte wird die Krefelder Öffentlichkeit
über den Vortrag des Stolperstein-Künstlers informiert.
10.03.2004:
Schülerinnen und Schüler von Dr. Hilger aus dem
Philosophie-Kurs des 12. Jahrgangs führen eine Umfrage zur
Akzeptanz von Stolpersteinen in Krefeld durch, deren Ergebnis in
Facharbeiten der Schüler ausgewertet wird.
13.05.2004:
Schülerinnen und Schüler von Dr. Hilger aus dem
Philosophie-Kurs des 12. Jahrgangs besuchen Gunter Demnig in seinem
Kölner Atelier, um mehr über seine Arbeit zu erfahren.
28.06
bis 01.07.2004:
Frau Rütten und Dr. Hilger führen in Zusammenarbeit mit den
Studienreferendaren Insa Heinrichs und René Di Rienzo eine
Projektwoche zum Thema „Stolpersteine“ durch, in der die Schüler
der Klasse 5c gemeinsam mit den Schülern des Philosophie-Kurses
des 12. Jahrgangs den Vortrag von Pavel Stránský vor- und
nachbereiten. Beteiligt ist außerdem für einen
altersgemäßen Umgang mit dem Thema das Kölner Theater
ImPuls.
30.06.2004:
Pavel Stránský berichtet den Schülern über
seine Holocaust-Erfahrung. Abends hält er einen öffentlichen
Vortrag in der Villa Merländer, dem Krefelder
NS-Dokumentationszentrum.
22.06.2005:
Pavel
Stránský
Pavel Stránský berichtet auch in diesem Jahr wieder
über seine Erlebnisse in den Jahren des Holocaust,
diesmal vor Schülern des 11. Jahrgangs der KTG und bei
Schülern der
Gerd-Jansen-Schule für Körperbehinderte.
Hindernisse:
26.10.2005:
Nach einem Antrag der Krefelder Gerd-Jansen-Schule für
Körperbehinderte, deren Schüler ebenfalls einen Stolperstein
verlegen lassen wollten, gibt es erstmals Hinweise auf Bedenken
gegenüber dem Projekt. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde
entscheidet sich dagegen - kurz darauf auch Politiker von CDU und FDP.
Das Projekt wird auf die Tagesordnung des Krefelder Stadtrates gesetzt.
Vor dem anstehenden Ratsbeschluss am 03.11.2006 stellen Schüler
und Lehrer der
KTG einen Antrag auf die Genehmigung der Verlegung eines Stolpersteines
für Paul Prison beim Krefelder Oberbürgermeister. Da Paul
Prison kein jüdisches Opfer war, hätten die Bedenken der
Jüdischen Gemeinde für ihn eigentlich nicht zutreffen
dürfen.
03.11.2005:
Der Ratsbeschluss gegen Stolpersteine in Krefeld wird mit einer
Mehrheit von CDU und FDP gefasst. Wenig später entschließen
sich die Schüler und Lehrer der KTG ein Bürgerbegehren zu
initiieren, um das Verlegen von Stolpersteinen in Krefeld auf der Basis
eines Votums des obersten Souveräns der Stadt doch noch zu
erreichen.
Das Bürgerbegehren:
01.12.2006
bis 02.02.2006
An zahlreichen Info-Ständen sammeln Schüler der
Kurt-Tucholsky-Gesamtschule im Rahmen ihres Bürgerbegehrens
insgesamt 14.000 Unterschriften für das Bürgerbegehren
über die Verlegung von Stolpersteinen.
13.01.2006:

Mirjam Pressler mit
Stolperstein-Aktivisten der KTG
Mirjam Pressler, Autorin und Übersetzerin der Tagebücher von
Anne Frank, veranstaltet eine
Benefiz-Lesung zur Unterstützung der Stolpersteine in Krefeld. Sie
liest aus ihrer Anne-Frank-Biographie.
02.02.2006:
Abgabe der
Unterschriften-Listen im Wahlamt
Schüler und Lehrer der KTG überreichen im Wahlamt der Stadt
Krefeld fristgerecht die Listen der Unterschriftensammlung für
Stolpersteine in Krefeld mit 14.000 Unterschriften.
18.03.2006
Im Rahmen eines sogenannten
"Stadtspaziergangs" informieren Schüler und Lehrer der
Kurt-Tucholsky-Gesamtschule interessierte Krefelder Bürger
über "imaginäre" Stolpersteine, d.h. sie erzählen an den
für Stolpersteine vorgesehenen Adressen über das Schicksal
verschleppter, gequälter und ermordeter Krefelder.
Erfolg
auf der ganzen Linie:
30.03.2006:
Nach Verhandlungen zwischen Oberbürgermeister Kathstede und den
gesetzlichen Vertretern des Bürgerbegehrens - KTG-Schüler
Tobias Kremers, der als Mädchen vor den Nazis versteckten
Krefelder Jüdin Dr. Ruth Frank und der Enkelin des NS-Opfers Aurel
Billstein, Frau Ruth Wolf - über eine Kompromisslösung stimmt
der Krefelder
Stadtrat einstimmig der Verlegung von Stolpersteinen zu.
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